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Ein paar Tipps zum Abwickeln größerer Gigs
MrPetriani Offline
Godfather of Music
********

Beiträge: 1,230
Themen: 50
Registriert seit: May 2003
FT 2007 in Bergneustadt
#1
RE: Ein paar Tipps zum Abwickeln größerer Gigs
Also, nachdem hier schon ein paar mal Fragen aufkamen, was man denn eigentlich so alles braucht um nen Auftritt spielen zu können und wie das bei größeren Konzerten so gemacht wird, werd ich jetzt mal n bisschen was dazu erzählen. Es ist jetzt kurz nach 9 morgens, und ich komme gerade vom Up from the Ground Festival bei dem ich Reichlich Erfahrung und in der freien Zeit auch reichlich Bilder sammeln konnte. Im weiteren setze ich Grundkenntnisse voraus, also ich nehme an, jeder weiß wie man einen Amp mikrofoniert, wie in groben Zügen gemischt wird usw., es geht mir hier wirkich nur darum, mit einigen seltsamen Gerüchten aufzuräumen (Man braucht 20m hohe Boxentürme...Man braucht Unmegen an Effekten...Die Technik ist unendlich kompliziert usw.)


Also, fangen wir einfach mal auf der Bühne an. Für nen Gig ist es hier wichtig, nen sehr erfahrenen Mann zu haben, der sofort einschreiten kann, wenns brennt. Das Monitorpult sollte so nah wie möglich an der Band stehen, daß auftretende Probleme sofort erkannt und gelöst werden können. Technisch passiert hier nicht viel: Das Pult sollte einfach nur viele Auxwege haben, so daß man im Idealfall 8 Monitorwege hat. Damit ist normalerweise auch die größte Band zufrieden. Im Rack sind (wie auf dem Bild zu sehen) relativ viele graphiesche EQ´s, da man das Monitorsystem unbedingt einpfeiffen muß, sonst klappts bei hohen Pegeln niemals. Also auch bei kleinen Gigs beachten: wenn man ein Monitorsystem hat, MUSS für jede Wedge ein EQ da sein ! Die Effekte im Rack werden eigentlich nicht genutzt, aber bei hohen Bühnenpegeln braucht man für die Monitore unbedingt kompressoren, man komprimiert sogar deutlich mehr als für die Front, ansonsten sollte das Signal aber unangetastet bleiben.

Noch ein paar Worte zur PA, nur weil rechts und links von der Bühne immer Meterhohe Tücher hängen, heißt das nicht, daß da auch Meterhohe Türme stehen. Die Bilder sind heute Nacht beim Gig von Obituary vor ca. 5000 Leuten Open Air entstanden, da ist schon Leistung gefragt, aber wie man sieht, sind 8 Bässe und 2 Tops pro Seite absolut ausreichend. Im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen für Grenzschalldruckwerte hatte die PA noch enorme Leistungsreserven und wie man sieht, geht das auch mit Vergleichsweise kleinem Besteck bei fantastischem Sound. Das System ist übrigens komplett aktiv.

Das wars mit der Bühne, ab zum FOH. Hier war ein doppelstöckieges FOH aufgebaut, was (wie auf den Bildern schön zu sehen ist) dem Lichtmann einen geilen Ausblick auf sein Werk verpasst. Unten ist die Konsole (Soundcraft K3) mit nem I-Mac zu sehen. Der gesamte Abend wurde direkt auf 36 Spuren aus dem Pult mitgeschnitten, um später noch mischen zu können. Das K3 verfügt über 2 Direct-Outs, 2 Inserts und 8 Auxwege pro Kanal, damit kann man schon arbeiten. Hier wurde es so gemacht, daß ein langer Hall auf dem 1ten Aux war, ein kurzer auf dem 2ten, Ein Gated-Reverb auf der 3 und ein Delay auf der 4. Mehr braucht man für nen großen Gig garnicht. Die Kompressoren kommen über die Inserts direkt da hin, wo sie hingehören und das wars auch schon. Auf dem Bild vom FOH-Rack ist es schön zu erkennen, was man braucht: 4 Multieffekte, ein paar Kompressoren und nen SummenEQ, der allerdings nicht klangformend benutzt wird, sondern nur um Schwächen der PA oder des Raumes auszugleichen, das wars, mehr steht bei Rock-am-Ring auch nicht da. Ordentliche (vor allem Pegelfeste) Kopfhörer sollte man definitiv auch am FOH haben, da man nur so während des Gigs einzelne Spuren abhören kann. Ein Intercom ist auch immer sehr hilfreich, um mit dem Monitormann in Kontakt zu bleiben. Außerdem sollte man immer ein Mic am Pult haben, über daß man auf die Monitore sprechen kann, so kann man seine Stimme beim Soundcheck erheblich schonen. Bei größeren Gigs wie hier, wo man weit von der Bühne weg ist braucht man auch im FOH nen möglichst Klangneutralen Monitor, diesen sollte man aber definitiv delayen, sonst hat man Soundmüll mit der Front PA.


Also, auch bei größeren Sachen wird nur mit Wasser gekocht. Ob man vor 250 Leuten in der örtlichen Mehrzweckhalle spielt oder vor 40.000 im Nächstgelegenen Stadion, die Anforderungen an die Technik sind im großen und ganzen die gleichen. Mit 8 EQ´s, 5 oder 6 Stereokompressoren und ner 3-4 Multieffekten kann man schon die größten Sachen machen, man muß es nur wissen.
--
Macht`s gut und danke für den Fisch (Douglas Adams)


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...sieht Scheisse aus, klingt aber geil... (FT2007)
26-08-2006, 09:58
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drbest Offline
Crew-Mitglied
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Beiträge: 233
Themen: 1
Registriert seit: Aug 2006
#2
 
Man liest, du kennst dich mit Technik sehr gut aus. Solche Themen würd ich zusammen mit anderen inner FAQ im Unterforum pinnen.
--
\"Ja, es war besser, selber zu steuern und dabei in Scherben zu gehen, als immer von einem andern gefahren und gelenkt zu werden. \"


\"Ja, es war besser, selber zu steuern und dabei in Scherben zu gehen, als immer von einem andern gefahren und gelenkt zu werden. \"
26-08-2006, 10:14
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andy456 Offline
Godfather of Music
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Beiträge: 1,624
Themen: 195
Registriert seit: Jun 2002
#3
 
Das ist mal ein Überblick der nicht schlecht ist,Thumbs aber ich glaube doch etwas zu hoch gegriffen für viele hier die mal kleine konzerte spielen auf lokalen veranstalltungen. Vorallem vom Finaziellen her wenn der Veranstalter frag was ihr so an technik benötigt und ihr dann mit 5-8 monitoren ankommt und nen siderack mit diversen Multieffekten und Kompressoren ,werden viele Veranstalter sagen das ist mir zu teuer die Techik zu leihen oder so etwas. oder das passt doch alles gar nicht auf die 4x4 meter bühne .

Denn auf vielen kleinen Veranstalltungern sind die Tontechiker oft auch die DJs oder so die von der materie rechtwenig bis keine erfahrung haben wie man eine Band mischt bzw. wie man die effekte bedient und sie sinnvoll einsetzt. Deswegen würde ich mir wünschen das ganze in einem Kleine rahmen mal anzunhemen , ich werde mal schaun ob ich in den nächsten tagen mal etwas für nen kleinen Gig zusammen stelle. wie man mit wenig technik auch eine passabeln sound bekommt. für kleine gigs bis ca. 400 Leute.

Gruß Andy
--
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Einfach genial: Wenn man im Wort \"Mama\" 4 Buchstaben ändert, dann hat man auf einmal \"Bier\"
27-08-2006, 21:50
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Andy63 Offline
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FT 2014 in BliensbachFT 2013 in HattingenFT 2011 in Achenkirch - ATFT 2010 in WolfshausenFT 2009 in WolfshausenFT  2008  in Mannenbach - CHFT 2007 in BergneustadtFT 2006 in Neuerburg
#4
 
Zitat:Original von MrPetriani:
.... schnipp
Also, auch bei größeren Sachen wird nur mit Wasser gekocht. Ob man vor 250 Leuten in der örtlichen Mehrzweckhalle spielt oder vor 40.000 im Nächstgelegenen Stadion, die Anforderungen an die Technik sind im großen und ganzen die gleichen.
.... schnipp


Thats it!

Ob ich 300W, 3 Instrumente und 1 Micro und 1 Monitor habe, oder 20.000W, 8 Instrumente, 10 Micros und 5 Monitore... die Technik bleibt die gleiche... Ich muss dafür sorgen, dass das Publikum angemessen beschallt wird und die Musiker sich selber gut hören können.

Der Unterschied besteht im Wesentlichen nur aus der Anzahl der Kanäle und der benötigten Leistung. Das Prob ist nur, jemanden zu finden, der dir die Anlage nicht nur verkaufen oder verleihen will, sondern der sie dir auch richtig einpfeiffen kann...

Und da liegt imho der Hase im Pfeffer. Um das zu können muss man schon ein erhebliches Maß an Erfahrung haben oder eben Tontechnik gelernt haben...

Learning by doing auf einem Gig halte ich da für den falschen Weg... (zumindest fürs Publikum Wink )

Gruß, Andy
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--- wer nach allen Seiten offen ist, gerät leicht in Verdacht nicht ganz dicht zu sein---
28-08-2006, 07:29
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Gerry-Brunch Offline
Klampfer
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FT  2008  in Mannenbach - CH
#5
 
@mein 63er Jahrgangskollege

Das mit dem Know-how ist meines Erachtens (und kleiner Erfahrung) DER Knackpunkt! So sollte sich jede Band die einen gewissen Anspruch an seinen Livesound stellt unbeding seinen eigenen, erfahrenen Soundtechnicker mit deabei haben. In den Klubs und Festivals gibts technisch gesehen von Schrott bis edel alles, so auch bei den Leuten die das Bedienen sollen, daher ist es nur gut jemanden dabei zu haben der weiss wie man das beste aus jeder Anlage rausholt (und dementsprechend aus der BandSmile ) unser technicker hat uns damit viel vielAerger erspart (aber klar, ist ein Profi, der kostet was)

Mr Petriani scheint sich da richtig gut auszukennen, er wird sich über Angebote freuen:p
--
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Go big or go home
28-08-2006, 23:19
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Andy63 Offline
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#6
 
yo, Bruder des Baujahres ;D

zum Thema knoff hoff:
ist echt traurig, wie die \"ich-misch-heut-Abend-noch-schnell-ne-Band-ab\" - Fraktion mit ihrem Halbwissen einen Gig klangtechnisch versauen kann, manchmal sogar trotz vorhandenem Equipment.

Klar ists auch immer eine Frage des Budgets. Man kann aus nem Mülleimer keine Kristallvase machen. Viele (gerade jüngere) Bands sind froh, endlich mal auftreten zu dürfen und haben nicht die Kohle für Profis und Profiequipment. Da reichts vielleicht gerade für n Micro und den Amp. Auch egal... Hauptsache sie und das Publikum haben ihren Spaß!

Gruß, Andy
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29-08-2006, 12:12
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andy456 Offline
Godfather of Music
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Registriert seit: Jun 2002
#7
 
Das mit diesen möchtegern Tontechnikern kenn ich leider auch nur zu gut!

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29-08-2006, 15:10
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MrPetriani Offline
Godfather of Music
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Registriert seit: May 2003
FT 2007 in Bergneustadt
#8
 
So, ich mal wieder...ich wollte mit diesem Thread eigentlich keine Anleitung zum mischen schreiben, ich wollte nur mal zeigen, daß auch bei großen Sachen alles im großen und ganzen das selbe ist wie bei nem kleinen Gig. Ich denke aber prinzipiell genau wie Ihr, was die Qualität des Mischers angeht, aber Hand aufs Herz, haben wir nicht alle mal Scheiße geklungen ? Ich hab auch irgendwann mal die erste Band gemischt und gedacht ich wär der King, weil ich wusste, wie n Pult aussieht und dachte mit lauter und leiser machen is es getan. Meiner Meinung nach sollte ein Mischer auch Ahnung von Arrangement haben und vieleicht auch noch Studioerfahrung, aber das wichtigste (mit Abstand) ist, daß er so versiert ist, daß er über die Bedienung der TEchnik nicht mehr nachdenken muß. Ich merke von mal zu mal, daß ich schneller die pfeiffende Frequenz ziehe oder beim Soundcheck schon bei den ersten SChlägen der Snare weiß, wo ich drehen muß. Man muß einfach Erfahrung sammeln um gut zu werden und das geht nur durch \"Learning by doing\", auch wenns fürs Publikum Scheiße ist. Studioerfahrung hilft am Anfang auch nicht, man muß einfach \"live üben\".

Auch bei Gigs mit 400 Leuten sollte man übrigens nicht an der Technik sparen. Man kann schon sehr preiswert nen guten Sound machen, aber unter nem gewissen Level geht einfach nichts. Hör dir mal die \"Großen\" Live an, die klingen teilweise wie auf Platte, das geht nur mit geilem Zeug, aber eben nicht mit mehr als beschrieben.


Im Übrigen ist das schlimmste was einem passieren kann ein Mischer mit nur angelesenem Theoriewissen ohne Praxis. Das ist auch der Grund, warum ich eigentlich gegen Bücher für Anfänger bin. Man sollte wirklich Erfahrungen sammeln und nicht nur wissen, daß man ein Drumkit gaten sollte, weil man´s mal gelesen hat. Sowas muß man hören und selber drauf kommen.
--
Macht`s gut und danke für den Fisch (Douglas Adams)


...sieht Scheisse aus, klingt aber geil... (FT2007)
29-08-2006, 20:24
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mrhero Offline
Saitenquäler
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Beiträge: 31
Themen: 5
Registriert seit: Sep 2005
#9
 
Hallo,

also ich gehöre auch zu der Nachwuchsband Fraktion und ich glaube man hat am Anfang auch nicht so den riesen Anspruch was die Tontechniik angeht .Ich weiss zum Beispiel ,dass wenn ich im örtlichen Gemeindehaus ein Konzert organisiere leihen wir einfach ne kleine Anlage wodrüber der Gesang läuft (endstufe ,mixer , Mikros)und dann is gut . Obwohl mit der Erfahrung auch der Anspruch wächst.
29-08-2006, 20:25
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MrPetriani Offline
Godfather of Music
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Themen: 50
Registriert seit: May 2003
FT 2007 in Bergneustadt
#10
 
Übrigens hab ich kein Problem mit SCheißanlagen. Ich spiele ziemlich regelmäßig mit Freunden in ner Kneipe, und da verstärken wir wirklich nur den Gesang. Das ganze klingt echt beschissen, macht aber nen Heidenspaß, selbst ohne Kompressoren, Gates und Multis...
--
Macht`s gut und danke für den Fisch (Douglas Adams)


...sieht Scheisse aus, klingt aber geil... (FT2007)
29-08-2006, 20:30
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